Sie sind in der Halle, gucken nach oben, und da ist eine dunkle Stelle. Oder schon ein Tropfen. Oder ein kleiner Eimer drunter, den jemand vom letzten Mal vergessen hat zu leeren. In den nächsten zwei Stunden treffen Sie Entscheidungen, die den finanziellen Schaden um den Faktor zehn auseinanderdriften lassen können. Dieser Artikel ist die Reihenfolge, die wir aus 30 Notfällen der letzten zwei Jahre destilliert haben.
Schritt 1: Innen sichern, bevor Sie aufs Dach schauen.
Die häufigste Fehler-Reihenfolge: Sofort raus, aufs Dach, gucken, wo es kommt. Falsch. Erst die Halle sichern. Maschinen, Lager, Elektronik. Folgeschäden im Innenraum sind teurer als jeder Notreparatur-Einsatz oben.
Innen sichern — Reihenfolge in den ersten 30 Minuten
- Maschinen und Elektronik abdecken (Folie, Decken, im Notfall Mülltüten)
- Lagergut wegrücken oder mit Folie schützen
- Eimer oder Wannen unter aktive Tropfstellen — flach und breit, nicht hoch
- Foto machen — von oben, von unten, mit Datum/Uhrzeit-Stempel der Kamera
- Strom abschalten in Bereichen, wo Wasser auf Verteiler kommen kann
Schritt 2: Dokumentieren — für die Versicherung, nicht für TikTok.
Fotos und ein kurzes Video. Aus mehreren Perspektiven. Wichtig: Mit Zeitstempel, also Datum und Uhrzeit sichtbar. Die meisten Smartphone-Kameras hängen das automatisch an die Metadaten, aber ein Foto vom Smartphone-Bildschirm mit eingeblendetem Datum ist gerichtsfest. Klingt übertrieben, ist es aber nicht — eine Sachverständige aus dem Versicherungsbereich, mit der wir das im Podcast besprochen haben, hat genau das schon dreimal entschieden gesehen.
Was die meisten vergessen: ein Foto vom trockenen Bereich direkt daneben. Das beweist später, dass der Schaden auf einen Punkt zurückgeht — und nicht auf jahrelange Vernachlässigung.
— STEFAN HAAB, aus Gespräch mit Sachverständigen-Kammer NRW
Schritt 3: Den richtigen Handwerker anrufen — nicht den nächstbesten.
Drei Telefonate, drei Stunden zerrieben, am Ende kommt sowieso niemand: das ist die häufigste Variante. Stattdessen: einen Notruf, beim richtigen Betrieb. Industriedach ist nicht Hausdach. Sie brauchen jemanden, der weiß, wie eine Flachdach-Notabdichtung mit Bitumenbahn-Heißverklebung im laufenden Betrieb funktioniert.
Wenn Sie über das Portal eine Anfrage stellen und „Akut" wählen, melden wir das innerhalb von wenigen Stunden an den passenden Betrieb. Auch am Wochenende. Ist nicht trivial, aber funktioniert in der Praxis.
Wenn Sie gerade in dieser Situation sind:
Anfrage stellen, „Akut – Wasser tropft" wählen. Wir melden das umgehend an den passenden Handwerker. Auch sonntags.
Schritt 4: Bis der Handwerker da ist — was Sie nicht tun sollten.
Die drei Klassiker, die wir bei Schadensbegutachtungen immer wieder sehen — und die jeweils den Schaden vergrößern:
- Nicht selbst aufs Dach steigen. Nasse Flachdächer haben einen Reibungskoeffizienten in Richtung Null. Wir haben dieses Jahr zwei Stürze von Geschäftsführern dokumentiert, einer davon mit Krankenhaus.
- Nicht versuchen, mit Silikon oder Acryl zuzukleben. Geht meistens schief, und der Handwerker muss es später teurer wieder runterkratzen, um eine saubere Reparatur zu machen.
- Nicht die Heizung anstellen, um zu trocknen. Klingt logisch, ist aber falsch. Wassergesättigte Dämmung trocknet nicht durch Wärme, sondern wird gleichzeitig undicht für die nächsten Regenfälle.
Schritt 5: Versicherung anrufen — aber in dieser Reihenfolge.
Erst den Handwerker, dann die Versicherung. Klingt verkehrt, ist es aber nicht. Der Handwerker dokumentiert den Schaden in der Sprache, die die Versicherung versteht — Schadensbild, vermutete Ursache, Sofortmaßnahmen. Damit ist das Versicherungsgespräch nachher 80 Prozent gegessen. Wenn Sie zuerst die Versicherung anrufen, schickt die einen Gutachter, der frühestens in drei Tagen kommt — und in der Zeit darf nichts repariert werden, sonst gibt's Diskussionen um Beweissicherung.
Eine Notabdichtung ist keine Reparatur. Sie ist ein Pflaster. Lassen Sie sich vom Handwerker explizit aufschreiben, was er gemacht hat und was noch zu tun ist. Sonst gibt's beim Endabschluss Streit.
— OLIVER OETTGEN, Geschäftsführer Over Dach GmbH
Was passiert, nachdem die Notabdichtung sitzt?
In der Regel hält die zwei bis sechs Wochen, je nach Material und Wetter. Danach kommt die richtige Sanierung — mit Aufmaß, Angebot, Planung. Das ist der Moment, an dem viele Geschäftsführer denken: „Naja, das Pflaster hält ja, brauche ich nicht weitermachen." Falsch. Das Pflaster ist genau dazu da, dass Sie Zeit für eine vernünftige Entscheidung haben. Nicht dazu, das eigentliche Problem zu verschleppen.
Wenn Sie sowieso saniert — und das werden Sie müssen — ist das auch der Moment, an dem die Frage „Photovoltaik gleich mit drauf oder nicht?" sinnvoll wird. Aber das ist ein anderer Artikel.
Zusammenfassung in einer Minute
- Innen sichern, bevor Sie nach oben schauen.
- Dokumentieren mit Zeitstempel.
- Den richtigen Handwerker anrufen — nicht den nächstbesten.
- Nicht selbst aufs Dach. Nicht selbst kleben. Nicht heizen.
- Versicherung erst nach dem Handwerker — nicht davor.